Donnerstag, 29. August 2013

Wir sitzen zusammen am Tisch. Zusammen und doch jeder für sich allein. Jeder hat seinen eigenen Teller, sein eigenes Besteck. Wir konzentrieren uns auf das Essen, haben die Köpfe gesenkt. Unser Gespräch besteht hauptsächlich aus Kauen und Schmatzen und wenn einer von uns mal etwas sagt, dann ist es sie, nicht ich. Meine Antworten sind meistens ein Nicken, ein desinteressiertes Hmm oder ein kurzes Lächeln, das ich selbst nicht beschreiben kann. Ich bin es schon gar nicht mehr gewöhnt viel zu reden. Ich habe gelernt zu schweigen in Situationen, die mir peinlich sind oder die sowieso keinen Sinn haben. Wozu soll ich mich zu etwas anstrengen, wenn es nichts hilft? Vielleicht versteht ihr meine Denkweise ein bisschen. Na ja auf jeden Fall sagte sie heute etwas, dass wohl zu 100% auf mich zutrifft und ich konnte es trotzdem nicht einsehen. Sie sagte: "Du könntest nie auf die Menschen zu gehen und ihnen sagen, was sie zu tun haben. Und wenn du es könntest, dann würdest du ganz leise reden, ungefähr so". Und dann imitierte sie mich. Es war richtig schlecht, aber sie hat wohl irgendwo recht. Ich könnte so etwas nie. Ich würde denken, die Leute würden nicht auf mich hören, würden mich auslachen, mich lächerlich dastehen lassen. Und das würden sie auch, besonderes Menschen, die älter sind als ich. Außerdem rede ich nicht sehr laut, also wenn es mir schlecht geht und ich meine Mauer um mich herum nicht allzu hoch bauen muss. Ganz anders ist es in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in der Schule. In der Schule sind hunderte von Menschen und jedem muss ich zeigen, dass ich das glückliche Mädchen von nebenan bin. Jedem verdammten Menschen dort muss ich anlügen. Ich muss selbstbewusst auftreten, laut reden, und so weiter. Und das kostet Kraft. Deswegen hasse ich die Schule. Nicht nur wegen den Menschenmassen und meiner Platzangst, der Langeweile und dem vielen Stoff zum Lernen, sondern auch weil es mich mehr als Hälfte meiner täglichen Kraft kostet.
Sie isst weiter und lächelt mich nichtsahnend an. Ich bin so geflasht von ihren Worten, dass ich nur mein komisches Lächeln herausbringen kann. Ich sage nichts mehr. Wozu auch? Es ist zu anstrengend. Mein Essen esse ich auch nicht ganz auf. Es war lecker, aber .. ich brauche nicht den vollen Teller, auch wenn er mir Kraft geben würde. Meine Gedanken häufen sich, als wären es Maiskörner, die sich in Unmengen Popcorn verwandeln. Und schon wieder denke ich an Essen.

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