Sonntag, 24. Februar 2013

Er nimmt zärtlich meine beiden Hände. Sie sind total verschwitzt vor der ganzen Aufregung. Ich habe Angst. Seine Hände dagegen sind total kühl und angenehm und lassen die ganze Angst verblassen. Ich sehe ihm tief in die Augen, mein Mund formt sich zu einem Lächeln. Es passiert einfach so, ohne dass ich es stoppen kann. "Sie dürfen die Braut nun küssen", sagt der etwas dickere, alte Mann vor uns. Sein Mund nähert sich langsam meinem. Soll er mich doch endlich küssen! Ich halte es nicht mehr aus und muss ihn sofort küssen. Doch ich spüre keine stechenden Blicke auf uns, höre keinen Applaus, nehme keine Freude in dem Saal wahr. Als ich mich herumdrehe, blicken mir verkommene Skelette, die in den Bankreihen verteilt sind, entgegen und grinsen mich mit ihren schmalen Schädeln an. HAHAHA!! HAHAHAHA!! - Ich schrecke auf, umklammere mein Kissen. Ich wünschte es würde nach ihm riechen und würde mich beruhigen, würde mir sagen, dass er da ist, dass ich keine Angst haben muss und er mich in den Arm nimmt und nie wieder loslässt. Der Vollmond scheint durch die offenen Spalten der Jalousie und mit ihm kommen auch die Tränen. Sie rinnen an mir herunter, als gäbe es kein Ende. Als könnte ich diesem Alptraum nicht entfliehen. Niemals. Als würden mich die leblosen Körper mit ihren fehlenden Seelen und Herzen nicht verstehen. Als würden sie mich verfolgen, das Leben aus mir heraussaugen und zwanghaft versuchen mich von ihm zu trennen.

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