Donnerstag, 26. September 2013


Zu Fünft sitzen wir zusammen an einem Tisch in der Mensa, lästern über das kaum genießbare Essen (okay, es ist abscheulich), spielen unser neu erfundenes "Würfelspiel". Jeder hat eine Zahl und wer gewürfelt wird, muss irgendwas machen. Also sowas wie Wahrheit oder Pflicht, bloß hat das noch nicht diesen lästigen Duft von kleinen Teenagern und von Aufmerksamkeit. Es macht Spaß, ja, ich muss es zugeben. Wir lachen und es tut irgendwie gut über sich lachen zu können, denn das ist auch das Einzige fast witzige in der Schule. Mein Kopf hämmert jede zweite Sekunde, passend im Takt zu meiner Übelkeit in meinem Magen. "Ich fühle mich, als hätte ich gerade 3 Wodkas oder so getrunken", sage ich und die anderen lachen. Witze reißen kann ich immer noch, obwohl das nicht wirklich einer war. Das Lachen tut wirklich gut, aber ich bin ja immer die Lachnummer. Das ist das Problem daran. Ich weiß nicht, was die anderen von mir denken, ich sehe mich nicht selber, wie ich aussehe, während ich dort sitze. Vielleicht sieht es peinlich aus, oder einfach nur ekelhaft. Ich weiß es nicht und das ist das Problem. Ich kann mich nicht selbst kontrollieren, ich kann nicht jedes Mal vor dem Spiegel stehen und alles üben was ich tun oder sagen will. Ich weiß nicht, was süß aussiehst, was ich mache, was vielleicht lästig und nervig. Diese Ungewissheit gibt mir ein schlechtes Gefühl. Wahrscheinlich mache ich mir einfach zu viele Gedanken darüber, was andere über mich denken und was sie von mir halten..

"Lass uns über", ich denke kurz nach, ob ich das wirklich sagen soll, "das Leben reden."
"Über das Leben, hmm", er denkt kurz nach, wirklich nur kurz.
"Ja", sage ich, als er mich unterbricht: "Das Leben ist .. eintönig." 
EintönigEine Gänsehaut breitet sich von meinem Nacken bis zu meinem Zehenspitzen aus.
"Es ist eintönig und das Ende ist hässlich", wir schauen uns beide einfach nur in die Augen.
Wir werden unterbrochen von den nervigen "Kids". Gott, wieso nur? 

Es läutet zur Pause. Die meisten gehen aus dem Zimmer, das nach Physik und Chemie stinkt. Ich bleibe sitzen, blättere durch meinen Ordner, schaue zu meinem Lehrer. Er sitzt halb auf einem der Tische, sein Blick ruht auf mir. Ich habe es nicht einmal bemerkt. Wie lange beobachtet er mich schon? Ein Lächeln folgt. "Wie gehts dir?", fragen seine trockenen Lippen. Sowas hat mich noch nie ein Lehrer gefragt. Fuck, was soll ich nur antworten? Ich antworte die ersten Sekunden gar nichts außer ein "Hmm". Darauf folgt meine momentane Lieblingsausrede: "Ich bin ziemlich müde..". Es stimmt ja auch. Ich bin müde, aber das ist nicht wirklich alles. Er schaut mich an, als könnte er meine Gedanken lesen, als würde seine Augen mich auffordern die Wahrheit zu sagen. "Wieso bist du denn traurig?", runzelt sich seine Stirn und er setzt sich etwas aufrechter hin. Ich sage nichts. Ich starre ihn einfach nur an. "Wenn du traurig bist, dann ist das heute ein verlorener Tag", sagt er und lächelt einfach weiter. 

Ich habe endlich mein Buch fertig, das ich am Lesen war. "Looking for Alaska". Die englische und somit die Originalfassung von John Green. Ich hatte schon vorher die deutsche Fassung gelesen, "Eine wie Alaska" und schon damals liebte ich dieses Buch. Nachdem ich jetzt die englische Version gelesen habe, ist mir nochmal bewusst geworden wir sehr ich dieses Buch liebe. Es bringt einem so sehr zum Nachdenken. Wie entkommt man jemals dem Labyrinth des Leidens? Entkommt man es jemals oder erst, wenn man tot ist? Diese Frage durchzieht das ganze Buch und jeder wird eine andere Antwort auf diese Frage haben. Ich weiß nicht, wie meine Antwort lautet. Es ist einfach so faszinierend, dass ich keine Worte dafür finde. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen