Ich stehe an der Haltestelle. Die Jungs entfernen sich aus meinem Blickfeld, verschwinden in der Menschenmenge, tauchen unter. Sollen sie doch gleich sagen, dass sie mich nicht dabei haben wollen oder dass sie nichts von mir halten. Sonst wären sie bestimmt nicht einfach so gegangen. Plötzlich stehe ich ganz allein da. Die Mädchen sind auch schon vorgefahren. Die Luft ist diesig, schwer. Ich krame meine Fahrkarte aus der Tasche, schaue auf den Plan. Meine Bahn müsste die Nächste sein. Ich beobachte die Menschen um mich herum. Ich sehe ein altes Pärchen, das sich überglücklich küsst, ein junges, das Hand in Hand an mir vorbei läuft und tausend andere, die reden, Spaß haben, die nicht allein sind. Die Bahn kommt und kommt zum nach einem langen Quietschen zum Stillstand. Ich quäle mich die wenige Stufen hoch in die Bahn, stemple meine Fahrkarte ab, setze mich erleichtert hin. Die Bahn ist voll. Die Meisten tippen auf ihren Smartphone herum oder hören Musik. Manche schauen aus dem Fenster, ein Mann liest. Ich kann den Titel nicht erkennen. Die Leute denken bestimmt, wieso ich allein bin. Wieso ich keine Freunde um mich herum habe oder einen Freund oder was auch immer. Die meisten beachten mich zwar nicht, aber sie denken es sicher. Als ich aus dem Fenster schaue, bemerke ich, dass ich falsch fahre. Bin ich so benebelt, dass ich nicht mal in die richtige Bahn einsteigen kann? Ich weiß es nicht. Ich war mir so sicher. Ich nehme schnell meine Sachen, steige an der nächsten Haltestelle aus. Ich laufe an den wartenden Menschen vorbei. Zwei Jungs schauen mich doof an. Der eine pfeift oder gibt so einen komischen Ton von sich, als wollte er seinen Kumpel auf mich aufmerksam machen, sodass sie über mich grinsen und lachen können. Ich versuche sie zu ignorieren, doch ich erhöre mein Schritttempo, laufe über die Straße. Ich will nur noch weg von hier, nur noch daheim sein. Ich stehe mindestens gefühlte 10 Minuten an der Ampel, bis sie endlich grün wird. Ich will irgendjemanden anrufen, die Stimme von jemandem hören, aufmunternde Worte. Doch die Leitung ist tot. Tränen schießen mir in die Augen. Nein, ich darf nicht in aller Öffentlichkeit heulen! Ich kann die Tränen gerade noch so stoppen, doch irgendwie will ich auch, dass jemand etwas bemerkt. Dass mich jemand antippt, mir in die Augen schaut und mich fragt, ob alles okay mit mir ist. Wieso wünsche ich mir sowas nur?
Tut mir leid, wenn ich Moment nicht so viel Zeit habe. Muss viel lernen und für die Schule vorbereiten. Liebe Grüße. (:
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