Dienstag, 3. September 2013

Früher, als ich noch ein Kind war, liebte ich es schlafen zu gehen. Ich liebte es, ins Bett gebracht zu werden, einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn oder die Wange zu bekommen. Ich zog meine Bettdecke immer bis zur Nasenspitze, als würde ich damit die Monster unter meinem Bett verjagen. Ich liebte zu träumen, mir eine kleine süße Welt aufzubauen, in der alles in Ordnung war, in der alles war, was ich mir wünschte. Dort war es perfekt. Ich mochte es, zu träumen und mich auf große Reisen zu begeben, von denen ich nicht wusste, wohin sie mich führen würden und ich war darin vernarrt Abenteuer zu leben. Und das alles nur in meinen Gedanken und meinen Träumen, weil mir die Realität nicht das geben konnte, das ich wollte und auch normalerweise brauchte. 
Doch jetzt, erst seit gestern Nacht ist mir das bewusst, jetzt habe ich Angst davor. Ich habe Angst davor einzuschlafen. Ich will nicht alleine in einem unbequemen Bett liegen, dass mir wie eine unendlich große Grasfläche vorkommt. Es soll dort zwar kuschelig weich und schön warm sein, doch ich spüre nichts davon. Ich habe Angst, die Augen zu schließen. Ich fürchte mich vor dem, was mich dort erwartet, dort in der Dunkelheit. Es könnte alles sein. Egal, ob Regenbögen und Einhörner oder doch eher Blut und Tod. Meistens ist es eher das Zweite. Was sage ich da eigentlich? Meistens? - Immer. Also habe ich es versucht mit Schäfchen zählen, bzw. ich habe angefangen zu zählen. 1,2,3,4,5,... Lächerlich. Kaum zu wundern, dass es nicht geklappt hat. Dann habe ich versucht, mir die schönen Momente in meinem Leben vorzustellen, doch schön heißt wohl eher traurig und verletzend. Und letztendlich habe ich gelesen. Doch ich bereue es. Ich dachte immer, das Buch wäre langweilig, doch es hat mich mitgenommen. Es nimmt mich immer noch mit, wenn ich daran denke. Auf das Buch komme ich noch zu sprechen, wenn ich es fertig gelesen habe. Auf jeden Fall hat es mein innerliches Fass zum Überlaufen gebracht, denn ich habe die Realität viel zu sehr mit diesem Buch verglichen, obwohl ich das nie gedacht hätte. Erst durch die Tränen wurde es mir bewusst. Ich muss mindestens eine halbe Stunde da gelegen haben und geheult haben. "Bitte, ist doch einfach jemand bei mir. Egal wer, egal wer. Irgendwer.", schluchzte ich und vor mir sah ich sehr, sehr viele Menschen. Ich habe schwer geatmet und habe versucht mich zu beruhigen, auch wenn es nicht ging. Es war so befreiend und gleichzeitig beängstigend. Letztendlich habe ich es mit dem Gedanken in den Armen von jemandem zu liegen, irgendwie geschafft einzuschlafen. Diese Leere. Diese unbeschreibliche Leere in mir. Ich habe immer noch unglaubliche Angst. Angst davor, wie es weitergehen soll. Angst, dass ich nie mehr aufwache, dass mich die Dunkelheit verschluckt, dass dieser Alptraum nie endet.

Und dann gab es eine Art Klick. Etwas wie das Umklappen eines Schalters. Ganz plötzlich. [...] Aber es war, als hörte er sie nicht. Nicht mehr. [...] Und das ist der Moment, in dem sie begreift, dass es kein Zurück gibt. Dass sie verloren hat. Sie hat jetzt nur noch Angst, Angst vor dem, was er nicht mehr kontrollieren kann. [...] Sie will nur noch, dass es vorbei ist. [...] Der Wolf kannte sich selbst genau und er hatte sie gewarnt. Es war ihre Schuld, es war alles ihre Schuld gewesen. War es das?
( Der Märchenerzähler - Antonia Michaelis, ein paar Stellen aus Seite 307 bis 315 )

Nicht mal noch 7 Tage habe ich und dann geht der Horror wieder los. Ich will nicht in die Schule. Ich will nicht ihre abwertenden Blicke sehen, wenn ich durch die Tür komme. Ich will nicht dieses leise Getuschel in meinen Ohren hören und kurz darauf das Gekicher. Sogar meine eine Lehrerin hatte Mitleid mit mir. Sie hätte mir nicht erklären müssen, dass es nicht einfach ist und sie hätte es mir auch nicht unter die Nase reiben müssen, dass ich zu fett bin. Ich will kein Mitleid. Ich will doch nur, dass mich jemand versteht. Und ein weiterer schlimmer Punkt. - Immer mehr Schüler wissen von meinem Blog. Sie fragen mich danach, wie er heißt, aber ich antworte gar nicht mehr. Sie werden es schon irgendwie herausbekommen. Aber ich will es nicht! Bei manchen ist es okay, denen zeige ich ihn freiwillig, aber bei anderen will ich das nicht. Sie verstehen es nicht. Sie ziehen alles ins Lächerliche. Es tut gut, sich hier alles von der Seele zu schreiben, aber ich will nicht, dass es jemand lächerlich macht, denn ich meine das hier alles ernst. Ich will nicht, dass jeder, der mich sieht, gleich weiß, wie ich mich fühle. Ich brauche diesen Selbstschutz. Ich brauche etwas, das ich geheimhalten kann, etwas, das nur ich weiß, etwas hinter meiner Mauer, die sie versuchen krampfhaft mit Kanonen zu zerstören.

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