Freitag, 3. Mai 2013
Ich stehe in der Schlange, warte darauf in den Bus einsteigen zu können. Als ich es endlich als fast Letzte schaffe, trifft mich das Schicksal wie ein Blitz. Da sitzt er, in der ersten Reiche, wie mit Absicht platzziert, dass ich ihn ja nicht verfehle, keine zwei Meter von mir entfernt. Ich versuche nicht zu ihm zu schauen, als ich bezahle. Ich bekomme kaum ein Wort heraus und wenn dann kommen sie nur in Stößen. Der Busfahrer schaut mich schon ganz verwirrt an. Nur noch 1,5 Meter. Hilfe!, schreit es in mir. Ich schaue mich nach einem freien Platz um, lasse ihn nicht aus den Augen. Meine Füße bewegen sich weiter nach hinten. Ich gehe an ihm vorbei. Kein Blick. Keine Bewegung. Nichts. Ich setze mich auf einen Platz ziemlich weit hinten. Der Sitz ist unbequem, aber von hier kann ich ihn ganz gut beobachten. Er schaut zwar nach rechts, doch direkt zu mir wendet er sich nicht. Ich sehe sein Gesicht, wie es sich in der Scheibe spiegelt, ruckartig blicke ich weg, als mir klar wird, dass er mich sehen könnte. Und das tut er anscheinend auch. Er senkt den Kopf, stützt ihn in seine Hände. Er sieht verzweifelt aus. Erinnert er sich vielleicht an mich? An die Momente, als wir nebeneinander in der Schule saßen. Als wir stundenlange Spaziergänge gemacht haben. Als wir geredet haben, ich ihm meine Geheimnisse verraten habe und er mir seine. Kann er sich noch erinnern? Kann er es?
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen