Mittwoch, 29. Mai 2013

Ich stehe in der Schlange, vor mindestens drei Leuten, die sowas wie Kinderkleidung, stark überzuckerte Süßigkeiten oder Boxershorts kaufen. Ich schaue den Mann mit seinen Boxershorts in der Hand an und überlege, was für eine Geschichte er wohl mit in diesen heruntergekommenen Laden bringt. Vielleicht wartet zu Hause seine Frau auf ihn, bis er sich neue Boxershorts gekauft hat und er sie wieder flachlegen kann. In diesem Laden wimmelt es nur von solchen Geschichten. Jeder bringt eine mit sich, aber jede ist verschieden. So langsam komme ich voran und beobachte den Verkäufer. Er ist noch ziemlich jung und wahrscheinlich momentan in der Ausbildung, weil ich ihn noch nie zuvor gesehen habe. Wenn er zu mir sehen würde, würde er bemerken, wie sehr ich ihn doch anstarre. Seine Haare sind kurz, dunkel, er hat braune Augen, bei denen ich aufpassen muss, dass ich mich nicht darin verliere. Seine Kleidung ist unauffällig, aber für mich sticht er hier heraus. Er passt nicht in diesen Laden, er ist so cool. Er ist wie dieser eine Badboy, den es an jeder Schule gibt, in jeder Stadt. Ich schaue weiter runter, doch komme nur bis zur seiner Hüfte, weil von dort die Theke anfängt. Seine Arme sind von kleinen und kurzen dunklen Härchen übersäht, doch mir fallen eine paar kleine rote Stellen auf. Genau drei Stück sind es. Ich frage mich, ob er sich nur ausversehen wehgetan hat oder ob er ein bisschen nachgeholfen hat. Ich versuche seinen Blick zu erhaschen, doch er bemerkt es nicht. Wie in den Filmen würde ich gerne ganz lässig fragen, ob er nicht mit mir was trinken gehen will oder ich würde ihm meine Telefonnummer auf seinen Arm kritzeln oder er würde seine Nummer auf den Kassenbon schreiben und mir sexy zuzwinkern, oder .. Aber nichts von dem passiert. Ach was stelle ich mir da nur vor. Ich könnte es eh niemals wagen einen anderen Mann anzufassen, geschweige zu begehren. Ich bezahle, sodass ich kein Wechselgeld bekomme und verschwinde schnell aus dem Laden, merke wie ich seine Gesichtszüge langsam wieder vergesse und ich mich von den Schlingen seiner coolen Ausstrahlung befreie.

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