Dienstag, 21. Mai 2013

Ich sitze auf dem Fensterbrett, schaue aus dem mit Fingerabdrücken beschmutztem Fenster. Wenn ich es anhauche, läuft es an, doch das Verschwommene verschwindet nach ein paar Sekunden wieder. Der Wind weht. Er bahnt sich deinen Weg durch jeden Busch, lässt die Blätter an den Bäumen zittern und die Knospen, aus denen später mal bezaubernde Blüten werden sollen, hin und her schaukeln. Trotz des dunklen Himmels und den großen, dicken Wolken wirkt der Anblick friedlich. Ein paar Regentropfen haben das Glück an meine Scheibe zu klopfen. Ich wünschte, ich könnte mir wie ein kleines Kind passende Sachen anziehen und nach draußen rennen, sodass sie mich alle mit auf ihre Reise nehmen. Dass der leise Wind mich in die Höhe trägt, mich fallen und schweben lässt, ohne dass ich auf den harten Boden der Realität aufknalle. Der Regen würde mich mit in das weiche Reich der Wolken nehmen. Ich könnte die Welt von oben sehen und würde nichts mitbekommen von alldem Schrecklichen da unten. Die Kälte würde sich mir wie ein Schal um meinen Hals legen und ihn immer enger schnüren, bis ich schließlich keine Luft mehr bekäme. Doch irgendetwas lässt es nicht zu, irgendetwas hält mich gefangen. Es ist nicht möglich. Nicht möglich zu verschwinden, noch weder davonzurennen vor mir selbst.

Ich schaue ihn an. "Es hilft wirklich. Du solltest auch so etwas machen", meint er zu mir und lächelt. Er sieht wirklich glücklich aus. "Ich hol' uns was zu essen", sagt er und fügt noch ein "Schatz" hinzu, steht auf und verschwindet in der Küche. Ich höre wie er den Kühlschrank öffnet, etwas herausnimmt. Ich höre Glas am Boden zerbrechen, höre wie er flucht, weil er sich geschnitten hat. Er kommt wieder und sieht auf einmal total wütend aus. Er blutet an einem Finger. "Alles ok?", flüstere ich zögerlich. Er antwortet nicht einmal, schleudert mit einer Hand die Flasche, die auf dem Tisch steht, in die nächstliegende Ecke. Er beugt sich über mich und muss auf irgendeine Weise größer werden. Seine Hand erhebt sich, und obwohl ich zurückweiche, knallt sie gegen mein Gesicht. Ich schmecke das Blut in meinem Mund, rieche es in meiner Nase, als er noch einmal die Hand zum Schlag ansetzt und ich schließlich die Augen aufreiße und in die Dunkelheit starre..

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen