Donnerstag, 23. Mai 2013

Ich höre ihr Atmen, das sanfte Hauchen, das leise Ringen nach Luft. Im Gegensatz zu mir scheint sie schon zu schlafen. Ich überlege kurz, ob ich mich neben sie legen soll, weil ich nicht allein schlafen will und sie noch so viel freien Platz auf der Matratze hat, aber ich verdränge diesen Gedanken schnell. Ich schaue die neue Lichterkette, die sich rings um mein Bett schlängelt, an. Der Anblick ist irgendwie romantisch und hat etwas, doch trotzdem ziehe ich den Stecker aus der Steckdose und auf einmal liege ich ihm Dunkeln. Ich ziehe meine Decke bis zum Hals, aber meine Wangen glühen, als hätte ich schrecklich hohes Fieber. Ich kann nur noch an ihn und das alles denken. In meinem Kopf schreibe ich ihm einen Brief und lerne die Zeilen auswendig, in der Hoffnung ich kann endlich einschlafen und vergessen.

Piep! Ich fahre zusammen und schrecke gleichzeitig von meinem Halbschlaf auf, als der Wecker klingelt. Piep! Piep! Mein Schreibtisch ist nicht das weichste Kissen, aber mich stört es nicht mal. Ich raffe mich auf, trotte in die Küche, stelle den nervigen Wecker ab. Jedes Mal wird mir klar, wie sehr ich dieses Geräusch hasse. Meine Hand fährt in die Schublade, nimmt den flachsten und hässlichsten Löffel heraus, rührt im Tee herum. Den Teebeutel schmeiße ich weg und hole hingegen den Zucker. Ganze 3 Zuckerwürfel schmeiße ich in das dunkelrote Wasser, das fast schon aussieht wie Blut, bloß dünnflüssiger. Ich fühle gar nichts dabei. Ich konzentriere mich auf meinen Tee und den Zucker, aber richtig darüber nachdenken tue ich nicht. Wie eine gesteuerte Maschine, die schon jeden der Arbeitsschritte auswendig kennt. Ich schleiche langsam zurück in mein Zimmer, versuche dabei einen Schluck zunehmen, der trotz des vielen Zuckers immer noch nach fast gar nichts schmeckt und schleife meine Füße über den Boden zu meinem neuen "Bett". Meine Hände umklammern die Tasse. Sie ist heiß und ich möchte schon fast loslassen, weil es sich wie tausend kleine Messerstiche auf meiner kalten, blassen Haut anfühlt, besonderes auf meinen Händen. Und bei all den Schmerzen, kommen auf einmal all die zusammengeballten Gedanken wieder, wie eine große Kugel, die direkt auf mich zukommt und mich gnadenlos überrollt.

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