Sehnsucht
Ich sehnte mich immer nach dir. Nach dem Geruch deines Parfüms, nach den Bartstoppeln, die an meiner Wange sanft kratzen, wenn wir uns umarmten, nach deinen eisblauen Augen. Ich vermisste deine Arme, die Wärme, dein Lachen. Hier fühlte ich mich noch nie richtig heimisch, nie willkommen oder in irgendeiner Weise besonders. Jeden Tag, wenn ich heimkam, die Tür aufschloss, roch es noch genauso wie am Morgen. Kein Essen war gekocht worden, niemand hatte den Tisch liebevoll gedeckt, keine duftenden Kerzen angezündet. Alles stand noch an seinem Platz. Niemand erwartete mich. Und dann musste ich an dich denken, an uns. Ich musste daran denken, wie es wäre, wenn ich bei dir wäre, wenn wir zusammenwohnen würden, wie du mich zur Begrüßung in den Arm nehmen würdest und all meine Sorgen wären verflogen, wie du mir einen liebevollen Kuss auf die Stirn geben würdest, der jede Stelle meines Körpers zum Zittern, zum Vibrieren bringen würde. Doch ich konnte von hier nicht flüchten und kann es immer noch nicht. Die Zeit vergeht nicht, sondern bleibt lieber stehen, redet mit mir, quatscht mich voll, anstatt weiterzugehen. Du wärst etwas Neues, ein neues Kapitel, ein Abenteuer. Ich sehne mich danach, will etwas erleben, doch der Alltag hält mich in seinem Keller gefangen, fesselt mich, sodass ich ja nicht vor ihm fliehen kann. Du warst meine Heimat. Mit vielen Hügeln wie deine Laune, mal hoch, mal tief. So unberechenbar. Hättest wenige Einwohner, wenige Häuser, lässt nicht viele Menschen durch deine leere Straßen laufen. So leer wie dein Inneres und doch eine schöne Fassade. Grüne Felder, blauer Himmel. Noch nie bin ich dort gewesen, noch nie bei dir gewesen. Alles spielt sich nur in meinem Kopf ab, zerrt an meiner Vorstellungskraft. Du zerrst daran, zwingst mich dazu alles aufzugeben, ein paar wichtige Sachen einzupacken und loszufahren. Wenn es so einfach wäre, wenn der Alltag mich aus seinen Klauen freilassen würde, wenn sich die Probleme ordnen würden, mir helfen würden beim Packen, beim Planen, ich wäre längst da. Irgendwann bin ich das, bin bei dir. Spüre deine Wärme, spüre, dass sich alles gelohnt hat, all die Anstrengungen, spüre dich. Denn dann bin ich endlich daheim und gehe nie wieder weg. Versprochen.
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