Draußen fällt Regen. Er prasselt auf das Dach, es klingt hohl und die Geräusche hallen durch mein Zimmer als wäre es eine riesige Höhle. Der Regen tut gut nach der tagelangen Hitze, die mich nächtelang wach gehalten hat, jedoch verdampft der Regen Sekunden später schon wieder auf dem kochenden Boden. Ich stehe vor dem Fenster, lehne mich gegen das Fensterbrett, beobachte das ganze Spektakel. Es wirkt spannend im Gegensatz zu den letzten Tagen, in denen mir alles nur gleichgültig war. Da draußen baut sich etwas auf und ich möchte ein Teil davon sein. Ich möchte wenigstens zu etwas kaum Bedeutendem dazugehören, als zu gar nichts. Ich schlüpfe in meine Schuhe. Sie sind abgetreten und haben viele Löcher. Ich öffne die Tür, gehe nach draußen und schlagartig prallt mir die Kälte und gleichzeitig die Hitze entgegen. Meine Füße sind eilig, schneller als mein Kopf nachkommen kann. Ich hätte Kaffee oder einen Energydrink oder sowas trinken sollen, aber das habe ich vergessen, genau wie ich meine Jacke vergessen habe. Der Regen lässt meine Haare durchnässen. Sie tropfen in meinen Nacken, tropfen von meinem Kinn und fließen hinunter in meinen Ausschnitt. Der Wind weht, bebt. Regen schlägt in mein Gesicht, rinnt an mir herunter. Meine Füße quengeln. Ich fange an zu rennen. Renne gegen den Regen, gegen den Wind, als würde ich gegen sie ankämpfen wollen. Immer schneller werde ich. Doch auch sie geben nicht nach. Ich bin klatschnass, doch koche vor Wut. Meine Schuhsohlen krallen sich in den Asphalt, drücken sich ab, sodass Staub aufwirbelt. Ich schreie. Ich schreie die ganze Last von mir. Es fühlt sich so befreiend an. Blitze ziehen über mir hinweg. Sekundenbruchteile später folgt der Donner. Er grollt wie ein hungriger Bär, doch nichts kann mir mehr Angst einjagen. Ich renne weiter in die Dunkelheit der Wolken. Ich fühle mich stark, so stark wie ich noch nie meinem Leben war. Der Wind rennt mit mir, neben mir. Er dreht seine Kreise um mich, schmiegt sich an mich, bis ich ihm schließlich direkt in die Augen schaue und das Böse mich verschluckt.
Und Meilen entfernt, von wo du bist,
liege ich auf dem kalten Boden und ich,
ich bete, dass mich etwas aufhebt
und mich in deinen warmen Armen absetzt.
( Set fire to the third bar - Snow Patrol )
Seitdem ich das kleine Fläschchen aus Glas mit einer Parfümprobe bekommen habe, rieche ich mindestens einmal am Tag daran. Meistens aber Abends oder Nachts, wenn ich versuche zu schlafen. Der Geruch davon gibt mir Sicherheit, als wäre da ein Jemand in meiner Nähe, der auf mich aufpasst während ich schlafe. Er beobachtet mich, hält mich im Arm, passt auf, dass ich nichts Schlechtes träume. Aber ich glaube der Hauptbestandteil davon ist eine Droge, an der man nur ein bisschen riechen muss und schon ist man high, denn alles was ich mir vorstelle ist eine lächerliche Illusion.
gott, du hast echt einen wundervollen schreibstil *-* der text mit dem regen… einfach wundervoll. beneidenswert.
AntwortenLöschenxoxo' ♥
http://gedankenbahnen.blogspot.de/
Danke dir, liebes. ♥
AntwortenLöschenxoxo. <3