Samstag, 23. März 2013

Kennst du dieses Gefühl? Wenn dir alles aus den Händen, aus jedem einzelnen Finger gleitet und du nicht mehr stark genug bist, um es festzuhalten oder es wieder zurückzuholen. Wenn es sich einfach alles spurlos in Luft auflöst, die Blase, die sonst immer beschützend um dir geschwebt hat, jetzt auf einmal in tausend kleine Splitter zerplatzt. Wenn du in den Spiegel schaust, dich nicht wiedererkennst. Die dunklen, gesenkten Augen, die blasse Haut, die starken Wangenknochen, die herausstechen. Das dünne Haar, die entfärbten Sommersprossen, die trockenen Lippen. Nein, das kannst unmöglich du sein. Wenn du schreien willst, doch alles was aus deinem Mund kommt ein Atemhauch ist und schon dieser einzige kleine Vorgang deinen Körper zum Beben, zum Schmerzen bringt. Wenn du mit deiner unerträglichen Wut, deiner Trauer alles kleinschlagen könntest, die Bücher vom Tisch wirfst, die Kleider aus dem Schrank zerrst. Wenn deine Faust ausholt, gegen die Wand fährt, schlägt und der Schmerz nicht mehr zu spüren ist, weil schon zu viel davon in dir ist. Wenn du einfach nur noch fliehen willst, davonlaufen, rennen, Hauptsache weg. Du willst alles hinter dir lassen, es am besten in die hinterste Ecke deines Bewusstsein verdrängen, vergessen. Doch wie sollst du fliehen, wenn du selbst der bist, der dich verfolgt, der dir diese schlimme Angst einjagt und wenn ganz allein du dein größter Feind bist? 

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