Mittwoch, 13. Februar 2013

"Alles ok? Du siehst so traurig aus", schaut sie mich verdutzt an. "Nein, wirklich alles okay", lächle ich sie falsch an, doch sie merkt es nicht einmal. "Schön", grinst sie mich wie ein dummes und behindertes Honigkuchenpferd an und geht weiter durch die Reihen. Nicht einmal sie bekommt es mit, wo sie doch eigentlich die sein sollte, die mich am allerbesten kennt und wissen sollte, was ich denke und wie ich mich fühle. "Na, wie wär's mit dem? Das sieht ja mal richtig toll aus", sagt sie begeistert und hebt mir ein weiteres grauenvolles T-Shirt vor die Augen. "Nein", erwidere ich kalt. Soll sie mich doch einfach in Ruhe lassen.

"Ich muss sagen, du hast wirklich ein schönes Leben", kommt ihre Stimme von der Küche zu mir. Ich starre auf den Pc, die Musik dröhnt mir durch den Kopfhörer in die Ohren. Der Bass kontrolliert meinen Herzschlag. "Kein Stress, keine Arbeit, keine Probleme. - So etwas hätte ich auch gerne." Nein, so etwas hätte sie nie im Leben gerne. Sie kann sich nicht einmal vorstellen, was es heißt krank zu sein. Jeden Tag sein eigener Babysitter sein zu müssen und aufpassen zu müssen, dass man nicht die Kontrolle und den Verstand verliert. Jeden Tag die Schuldgefühle, die Angst verdrängen. Jeden Tag ein bisschen weiter sterben.

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